Was für die meisten von uns wie eine Zeitreise ins vergangenen Jahrhundert wirkt, ist hier topaktuell notiert von einem Newcomer. Wir wollen mehr davon!

Vom Laser zum Star – von wegen Altherrenklasse!

Gelungener Saisonauftakt auf der Alster: Frühjahrs-Verbandsregatta 2019

Strahlender Sonnenschein, frühlingshafte Temperaturen und mäßiger Wind: Der Hamburger Segel Club lädt zur Regatta und ich, Marcel Rohde, 25jähriger Lasersegler aus Hamburg, bin dabei! Mit Arnd Glunde bilde ich eines der 18 Starboot-Teams aus drei Ländern (GER, DEN, POL). Außerdem am Start von Wettfahrtleiter Claus Dederke: 26 Boote der J70-Klasse und 15 Teams auf der J24er.

Es ist meine erste Starboot-Regatta am Steuer. Im vergangenen Jahr lud Arnd mich ein, als Vorschoter mit ihm die Distriktmeisterschaft in Hellerup zu segeln. Da bekam ich – trotz überwiegender Flaute – Lust auf diese attraktive Klasse und freute mich sehr, als Arnd mir anbot, bei einer späteren Regatta in vertauschten Rollen erneut zusammen zu segeln.

Dieses Wochenende ist es nun soweit: Nachdem wir schon am Freitag das Boot vorm NRV aufbauen und es Reisebussen, Radfahrern und über die Straße hängenden Ästen zum Trotz heil ins Wasser kranen konnten, treffen wir uns am Samstag pünktlich am Boot. Zwar verzögern kleinere Reparaturen an einem anderen Star unser Ablegen, doch dank zweier Gesamtrückrufe bei den J70 können wir uns trotzdem ein wenig einsegeln.

Meine ersten drei Erkenntnisse hierbei sind naheliegenderweise direkte Vergleiche zum Laser:

1. Verdammt, ist das Großsegel groß und der Baum lang!
2. Ein Star steuert sich sehr angenehm (nicht nur im Vergleich zum Laser).

Erkenntnis Nummer 3 folgt dann in der ersten Wende: Der Pinnenausleger geht nicht an der Schot vorbei, die Wende wird fast zum Kringel, die Wendetechnik scheint wohl eine andere zu sein.

Übers Üben der wichtigsten Manöver und Erläutern der vielfältigen – aber allesamt sehr einleuchtenden – Trimmeinheiten kommen wir dann fast zu spät zum Start (ich bitte die J70 fürs nächste Mal um einen dritten Gesamtrückruf, damit mir mehr Zeit zum Trainieren bleibt…). In der letzten Minute wird daher noch schnell eine Lücke am Pin-End gesucht, wir fahren etwas glücklich mit freiem Wind links raus und nach einigen wenigen Wenden finden wir uns plötzlich als zweites Boot an der Luv-Tonne wieder. Wie konnte das nur passieren?! Zwar übersehen wir auf der letzten Kreuz ein Windloch und büßen noch zwei Plätze ein, aber spätestens jetzt bin ich von Bootstyp und Feld schwer begeistert.

Auch die nächsten beiden Wettfahrten verlaufen gut und sind durch teils sehr enge Zieleinläufe und somit Spannung geprägt. Dank einiger Frühstarts im zweiten Lauf verbuchen wir am Ende des Tages Platz 3 in der Zwischenwertung sowie Muskelkater und schmerzende Knochen, die nicht nur auf den Saisonanfang zurückzuführen sind. Von wegen „Altherren-Klasse“, ich bin froh, dass nicht viel mehr Wind war!

Abgerundet wird der Tag durch einen geselligen Abend in Elianes Esszimmer, zu dem der Flottenkapitän der Starbootflotte Hamburg, Alfred Horstmann lädt.

Bei deutlich kühleren Temperaturen und phasenweise etwas mehr Wind werden am Sonntag zwei weitere Läufe auf dem Up-and-Down-Kurs gesegelt. Im ersten dieser Läufe kommt für uns ein Dämpfer: Nach schlechtem Start und katastrophaler erster Kreuz reihen wir uns an der Luv-Tonne am Ende des Feldes ein. Scheinbar kann nicht nur das vordere Drittel gut segeln, sondern auch der Rest des Feldes. Wir kommen partout nicht über den viertletzten Platz hinaus.

Im letzten Lauf soll dann eine etwas offensivere Starttaktik her. Wir platzieren uns am Startschiff und ich ziehe früh an. Zu früh! Beim Versuch abzubremsen, schätze ich sowohl die 400 kg im Kiel als auch den enormen Überstand des Baums (siehe Erkenntnis 1) völlig falsch ein und es kommt zum Kontakt mit dem Vorstag eines direkten Konkurrenten. Irgendwie ersegeln wir dennoch einen vierten Platz und auch die Entschuldigung für die Bootsberührung wird auf der späteren Motorbootfahrt zur Siegerehrung angenommen. Die erfahrenen Crews scheinen froh über Klasseneinsteiger und zeigen Verständnis.

Insgesamt gelingt es dem dänischen Team um Flemming Sørensen und Ivan Larsen am besten, sich auf die anspruchsvoll drehenden Windverhältnissen auf der Alster einzustellen. Mit 5 Punkten und einem gestrichenen zweiten Platz gewinnen sie souverän vor Felix Gold und Philip Behn auf Platz 2 (10 Punkte) sowie Jochen Diercks und Herbert Braasch auf Platz 3 (15 Punkte). Darauf folgen Arnd Glunde und ich mit 16 Punkten vor Helge und Jesper Spehr mit 20 Punkten. Ich bin stolz wie Bolle!

Vielen Dank an den HSC für die gelungene Organisation und Durchführung sowie an den NRV für die Möglichkeit, Gelände und Kran während der Veranstaltung zu nutzen. Vor allem möchte ich mich aber bei Arnd für die Möglichkeit, auf seinem Boot als Steuermann mitsegeln zu dürfen sowie bei der Klasse insgesamt für die nette Aufnahme bedanken.

Noch einmal: Der Star ist ein tolles Boot und ich bin sicher, dass der Funke bei vielen jungen Seglern überspringen wird, wenn sie es nur einmal ausprobieren. Ich habe Blut geleckt und bleibe auf jeden Fall dabei!

Marcel Rohde

Sollten sich weitere junge Segler aus anderen Klassen angesprochen sehen, einmal in der Starklasse an Regatten teilzunehmen, können sie gerne mit der Klassenvereinigung oder direkt mit Arnd Glunde (aglunde@gmx.net) Kontakt aufnehmen.



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