Starboot ab 2016 nicht mehr olympisch

Der internationale Seglerverband (ISAF) entschied gegen Kielboote als olympische Disziplin

Enttäuschung bei den Starbootseglern. Der Star gehört nicht mehr zu den für die Sommerspiele 2016 in Rio nominierten zehn olympischen Segeldisziplinen. Die Ratsversammlung (Council) der ISAF, das höchste Entscheidungsgremium, wählte beim Mid-Year Meeting Anfang Mai in St. Petersburg einen Vorschlag, in dem die Disziplin „Men‘s Keelboat“ nicht mehr vertreten ist. Damit neigt sich die 80-jährige Olympiatradition der Starbootklasse dem Ende entgegen. 2012 geht es für die Starbootsegler  in Weymouth zum letzten Mal um Gold, Silber und Bronze.

Schon bei der Jahrestagung der ISAF im letzten November in Athen hatte das 30-köpfige Events Committee einen Vorschlag unterbreitet, bei dem die Disziplin „Men‘s Keelboat“ zu Gunsten der neuen Disziplin „Mixed 2 Person Multi-hull“ aus dem olympischen Programm gestrichen wurde. Der Vorschlag wurde vom Council mit knapper Mehrheit angenommen. Diese Entscheidung war jedoch nicht endgültig, sie musste beim sog. Mid-Year Meeting bestätigt werden. Das die Vorschlagsliste sehr umstritten war, zeigen über 50 Änderungs- und Alternativvorschläge, die zur Mai-Konferenz eingereicht wurden. Es bestand also durchaus noch Hoffnung für die Starboote.

Imagebroschüre für das ISAF Mid-Year MeetingDaraufhin hat die Internationale Klassenvereinigung (I.S.C.Y.R.A.) enorme Aktivitäten gestartet, um die Entscheidungsträger für den Verbleib der Kielboote im Olympiaprogramm zu gewinnen. Schließlich repräsentieren sie eine bedeutende Sparte des Segelsports. Unter anderem haben Dierk Thomsen und Mark Reynolds eine Liste mit Argumenten für das Starboot zusammengestellt, die in einer kleinen Imagebroschüre prägnant zusammengefasst wurden.

Während des Mid-Year Meeting war eine größere Delegation um den ISCYRA-Präsidenten Bill Allen in St. Petersburg vor Ort. Zu der Gruppe gehörten als Repräsentanten der Aktiven auch die Starbootsegler Johannes Babendererde und Johannes Polgar.

Vielleicht haben die vielfältigen Bemühungen im Vorfeld und während der Konferenz dazu beigetragen, dass der ISAF-Lenkungsausschuss (Executive Committee) einen eigenen Vorschlag der zukünftigen olympischen Disziplinen zur Abstimmung stellte, in dem die Disziplin „Men‘s Keelboat“ weiterhin vertreten war. Es wurde also noch einmal spannend.

Die Organisation der ISAF mit ihren zahlreichen Gremien, Ausschüssen und Kommissionen sowie das Procedere der Entscheidungsfindung ist kompliziert. Johannes Polgar schildert seine Eindrücke von der Konferenz plastisch in einem Video-Interview bei Segelreporter.

Von der Vielzahl eingereichter Vorschlagslisten mit jeweils zehn Disziplinen wurden vorab neun ausgewählt, von denen am Ende des Abstimmungsverfahrens eine übrig bleiben sollte. Es ging jedoch sehr viel schneller. Bereits im ersten Wahlgang erhielt eine vom japanischen Seglerverband eingereichte Liste die absolute Mehrheit. Somit werden bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die Segelwettbewerbe in den folgenden Disziplinen ausgetragen:

  • Men's Board and/or Kiteboard - RS:X / kiteboard evaluation
  • Women's Board and/or Kiteboard - RS:X / kiteboard evaluation
  • Men's One Person Dinghy - Laser
  • Women's One Person Dinghy - Laser Radial
  • Men's 2nd One Person Dinghy - Finn
  • Men's Skiff - 49er
  • Women's Skiff - Evaluation
  • Men's Two Person Dinghy - 470
  • Women's Two Person Dinghy - 470
  • Mixed Two Person Multihull - Evaluation

Eine Pressemitteilung über die Ergebnisse der Konferenz mit einer vollständigenListe wurde auf den ISAF-Webseiten veröffentlicht: http://www.sailing.org/news/35891.php.

In einer ersten Stellungnahme bedauert ISCYRA-Präsident Bill Allen die Entscheidung der ISAF, bittet aber darum — dem Stil der Klasse entsprechend — sie zu respektieren und öffentlich in der Presse oder online keine negativen Kommentare zu äußern.

Damit scheint das Ende der olympischen Ära des Starbootes besiegelt. Zwar fehlte der Star 1976 schon einmal im olympischen Programm und schaffte es 1980 zurück. Auch der Verlust des Olympiastatus nach den Spielen 1996 konnte mit Hilfe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das eine elfte Medaille spendierte, rückgängig gemacht werden. Ob das ein drittes Mal gelingt, darf bezweifelt werden.

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